Aufruf zur finanziellen Unterstützung des Solidaritätsfonds für Gefangene und verfolgte Kämpfer_innen


Aufruf zur finanziellen Unterstützung des Solidaritätsfonds für Gefangene und verfolgteKämpfer_innen

Der Solidaritätsfonds für Gefangene und verfolgte Kämpfer_innen wurde 2010 gegründet, in einerSituation, in der einerseits die harte kapitalistische Neustrukturierung durch die Finanzkriseangeschoben wurde, und sich andererseits die radikale Bewegung mit den jüngsten Erfahrungen desgesellschaftlichen Ausbruchs im Dezember 2008 in seiner Blüte befand. Unter diesen Umständenwar die Unterdrückung nochmal heftiger, mit dem Ergebnis eines immer höheren Anstiegs der Zahlpolitischer Gefangener. In genau diesem Rahmen fand sich der Solidaritätsfonds zusammen, dessenerstes Ziel die konsequente und kontinuierliche Unterstützung derer war, die wegen ihrersubversiven Aktionen oder ihrer Teilnahme an gesellschaftlichen Kämpfen verfolgt oder inhaftiertwerden.

Grundlegendes Ziel der Struktur stellt die Absicherung eines würdevollen Lebens für diegefangenen Genoss_innen durch ein Verfahren der Bewegung dar, das die materielle Dimension derSolidarität einen Schritt über die engen familiären, freundschaftlichen, politischen Beziehungenhinaus bringt, sowie der Beistand zur sofortigen Deckung besonderer Ausgaben (Gerichtskostenund Kaution). Darüber hinaus gehören zu den Prioritäten der Menschen, aus denen die Strukturbesteht, die tatsächlichen Solidaritätsbewegungen, die Bildung von Brücken der Kommunikationderer drinnen mit denen draußen und die Entfachung gesellschaftlicher Kämpfe innerhalb undaußerhalb der Mauern.

Von 2010 bis heute versucht der Fonds, eine konsequente und kontinuierliche politische, moralischeund materielle Unterstützung für die Sammlung von Geldern aufzubauen, die primär herrührt ausder persönlichen, bewussten Teilnahme jeder_s Einzelnen von uns, aber auch aus Gruppen undKollektiven, indem diese zur Fortsetzung der praktischen Solidarität beitragen. Dennoch resultiertaus der andauernden staatlichen Unterdrückung eine große Anzahl politischer Gefangener undGerichtskosten, und im weiteren Sinn der gestiegene materielle Bedarf. Momentan unterstützt derFonds auf monatlicher Basis 24 Gefangene (Athanasopoulou Konstantina, Valavani Dimitra,Jantzoulou Konstantino, Dimitraki Janni, Koufontina Dimitri, Kostari Irakli, Michailidi Janni, XiroSavva, Petrakako Jorgo, Sakka Kosta, Seïsidi Mario, Stathopoulou Vaggeli, Christodoulou Spyround 11 türkische und kurdische Kämpfer). Außerdem versuchen wir in vielen Fällen im Rahmen derMöglichkeiten Gerichtskosten und Kautionen von Genoss_innen zu decken, die aufgrund ihrerpolitischen Identität, ihrer Aktionen oder sogar wegen verwandtschaftlicher/politischerBeziehungen verfolgt werden, die sie zu inhaftierten Kämpfer_innen haben.

Innerhalb dieser 10 Jahre in denen wir aktiv sind, haben wir uns an Genoss_innen, Treffpunkte undKollektive gewandt, weil die Absicherung der finanziellen Mittel immer ein schwierigesUnterfangen darstellte. Die Solidarität und Teilnahme der Genoss_innen sowohl aus Griechenland,als auch aus anderen Ländern, ist der wesentliche Grund, aus dem wir kontinuierlich Seite an Seitemit den Gefangenen stehen. In der Situation die wir momentan durchlaufen, speziell aufgrund derneuen Tatsache der Ausbreitung des Virus‘ und der einschränkenden Maßnahmen, die der Staat ausdiesem Anlass implementiert hat, ist die Sicherung der Mittel zur materiellen Unterstützung derer,die innerhalb der Mauern sitzen, nochmal extra schwierig. Vielleicht schwieriger als je zuvor.Etwas, dass leider zu den ohnehin schon schwierigen Momenten, mit denen die Genoss_inneninnerhalb der Mauern konfrontiert sind, sowie darüber hinaus auch alle anderen Gefängnisinsassen,hinzukommt. Und das ist der Grund, aus dem wir uns wieder an alle Genoss_innen wenden.

Die Überbelegung der griechischen Gefängnisse mit dem erzwungenen Gedränge der Gefangenenin Zellen und Kammern die an menschliche Bienenkörbe erinnern, die unzulängliche – und ineinigen Fällen – nicht vorhandene medizinische Versorgung, die nicht-Gewährung der Möglichkeitzum Selbstschutz (Verbot der Versorgung von medizinischem Material, wie Antiseptika), dasEinsperren von besonders gefährdeten Gruppen der Bevölkerung (alten und kranken Menschen)schaffen Bedingungen für den Ausbruch einer Pandemie mit deutlich höheren Sterberaten als die inder Gesellschaft draußen. So etwas kann für viele Menschen innerhalb der Gefängnisse einerTodesstrafe gleich kommen. Eine Beunruhigung die einen Dominoeffekt in den Gefängnissenhervorgerufen hat, mit grundlegenden Forderungen nach Verringerung der Belegung und derEinhaltung grundlegender Schutzmaßnahmen für die Gefangenen. Ausgangspunkt derMobilisierung waren die inhaftierten Frauen von Korydallos und im weiteren Verlauf wurde sieausgedehnt auf die Gefängnisse in Chania (Kreta), Agios Stefanos (Patras), Larissa, wobeiinnerhalb dieses Zeitraums ein Text veröffentlicht wurde, mit der Unterzeichnung 856 Gefangeneraus allen Flügeln des Männergefängnisses in Korydallos.

In diesem Zustand also folgen der Staat und seine repressiven Mechanismen einem bekannten Weg.Während überhaupt keine wesentlichen Maßnahmen für den Schutz der Gefängnisinsasseneingeführt werden, unterbrechen sie ihren Kontakt zur Außenwelt, indem sie den Besuch vonVerwandten und Änwält_innen verbieten und sichtbare Repressalien und Vergeltungsmaßnahmen inBrennpunkten des Protests einleiten: Entführungen-Verlegungen von Genoss_innen/Kämpfer_innenim Fall der Mobilisierung der gefangenen Frauen von Korydallos mit der Entführung zweierweiblicher Gefangener und ihrer Verlegung in die Gefängnisse von Theben unter Quarantäne (eineder beiden ist die politische Gefangene Pola Roupa, Mitglied des Revolutionären Kampfs, währendeinige Tage später eine gewaltsame Verlegung in den Gefängnissen von Domokosdes ebenfallspolitischen Gefangenen und RK-Mitglieds Nikos Maziotis), Entzug des Hofgangs der Gefangenenin den Gefängnissen von Chania, die Invasion von Bullen, Durchsuchungen und Beschädigung von Zellen in den Gefängnissen von Patras. Parallel dazu erstellen sie Anklageschriften gegenGenoss_innen, die Verfolgungen und Verhaftungen von Kämpfenden weiterführend, mitten unterden allgemeinen Umständen einer Pandemie, an die fortdauernden Prioritäten des Staates erinnernd,im gleichen Moment, in dem ihre Bekanntmachungen zu Maßnahmen der Entzerrung der Belegungvon Gefängnissen eine kleine – in Bezug zur Gesamtzahl – Zahl Gefangener betrifft, nicht mehr als 1500.

Als Fonds, zum bestehenden Zeitpunkt, geben wir unsere Entscheidung bekannt, alle unseregeplanten öffentlichen Aktionen für die nahe Zukunft einzustellen, hingegen aber nicht unsereSolidarität gegenüber den politischen Gefangenen. In dieser schwierigen Situation, die wirdurchleben, kommen wir in die schwierige Lage, die vorläufige Verringerung der Mittel, mit denenwir materiell die eingesperrten Genoss_innen unterstützen, bekannt zu geben, diesbezüglich aberversuchend, ihre konsequente Unterstützung auch im kommenden Zeitraum irgendwieaufrechtzuerhalten.

Genossinnen und Genossen, in Griechenland und im Ausland, der Solidaritätsfonds ist in diesemMoment mit einem ernsthaften existenziellen Problem konfrontiert und mit dem Problem dergrundsätzlichen Arbeitsfähigkeit eines seiner Felder, der finanziellen Unterstützung der gefangenenKämpfer_innen. Seine Unfähigkeit aufgrund der gegenwärtigen Bedingungen dieser Zeit, die Mitteldurch seine öffentlichen Aktionen zu sichern, werden in den Sommermonaten in eineunauswegsame finanzielle Lage führen und die Unterstützung der politischen Gefangenen praktischunmöglich machen. Die einzige Weise, das zu vermeiden, ist die materialle/finanzielleUnterstützung durch die breite widerständige Bewegung. Durch alle Menschen und alle Kollektive,die die gefangenen Kämpfer_innen als Teil der Welt des Kampfes begreifen, den wir alle – so, wiewir können – gegen die barbarische Welt der Herrschenden führen. Die Parole „Niemand alleine inden Händen des Staates“ wird in diesen Tagen notwendiger und offenkundiger denn je. Wir rufeneuch dazu auf, diese noch einmal in der Praxis zu verteidigen. Die praktische Solidarität wirdwieder einmal unsere Waffe sein.

BIS ZUM ABRISS AUCH DES LETZTEN GEFÄNGNISSES

NIEMAND VON UNS IST FREI

SOLIDARITÄT MIT DEN POLITISCHEN GEFANGENEN

Solidaritätsfonds für Gefangene und verfolgte Kämpfer_innen

Kontaktmail für finanzielle Unterstützung: tameio@espiv.net